Robert Warthmüller: Der König überall, 1886, Friedrich II. auf Inspektionsreise im Oderbruch, Deutsches Historisches Museum, Foto: BPK
König & Kartoffel
Friedrich der Große und die preußischen "Tartuffoli" *

Eine Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zum Jubiläumsjahr „Friedrich 300“ im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2012 „KOMMT ZUR VERNUNFT! Friedrich der Zweite von Preuszen.“

20.07.2012 - 28.10.2012


Im Jahr 2012 jährt sich der Geburtstag des preußischen Königs Friedrich II. (1712–1786) zum 300. Mal. Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine Sonderausstellung rund um den bis heute lebendigen Mythos, der große Preußenkönig habe die Kartoffel in Preußen eingeführt.

Plakat: König und Kartoffel Zahlreiche Legenden ranken sich um die "Kartoffelbefehle" des Königs, viele Geschichten werden seit Generationen überliefert und sind noch immer populär – wie die von absichtlich schlecht bewachten Kartoffelfeldern, um die neugierige Landbevölkerung zum Stehlen der neuartigen Feldfrüchte zu animieren. Und die Verehrer Friedrichs II. lassen es sich bis heute nicht nehmen, sein Grab neben dem Schloss Sanssouci regelmäßig mit Kartoffeln zu schmücken.

Die Ausstellung greift die Legenden und Mythen rund um Friedrich den Großen und die Kartoffel auf und befragt sie nach ihrem tatsächlichen historischen Gehalt. Sie erzählt, wie der große preußische König – genötigt von Missernten und Hungersnöten – sich bemühte, die Kartoffel in seinem Land heimisch zu machen und den Anbau dieser neuartigen Feldfrucht zu befördern. Unterstützung fand Friedrich bei den Vertretern der ökonomischen Aufklärung und bei den Pastoren, die von der Kanzel herab als so genannte "Knollenprediger" die neuen Erkenntnisse weitergaben und zum Anbau der Kartoffel rieten.

Die Schau verdeutlicht, wie sich mit dem Kartoffelanbau auch die traditionellen Anbaumethoden in der Landwirtschaft veränderten und neue Agrarstrukturen entstanden.
Mit der Durchsetzung der Kartoffel als neuem Grundnahrungsmittel wandelte sich die Ernährungsweise der Menschen fundamental. Die Knolle ersetzte die oft monotone Getreidekost und sicherte die Ernährung derjenigen, die bisher unter Hungersnöten gelitten hatten.

Die Ausstellung stellt die Entwicklungsgeschichte der Kartoffel von der Zier- bis zur landwirtschaftlichen Nutzpflanze vor und verfolgt ihre Einfuhr, Verbreitung und Nutzung im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie erzählt Alltagsgeschichte, zeigt aber auch, welche grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der Wandel des mitteleuropäischen Ernährungssystems im 18. und 19. Jahrhundert nach sich zog.

Erstmals im Original präsentiert werden Friedrichs berühmte "Kartoffelbefehle". Wie schwierig es war, den Anbau der Kartoffel durchzusetzen, beweisen die Ermahnungen des Königs ebenso wie die eingeforderten Tabellen, die über Erfolg und Misserfolg des Anbaus berichten.
Zahlreiche Exponate wie Bilder, Bücher, landwirtschaftliche Geräte, Küchenutensilien, Pflanzenpräparate, eine Kirchenkanzel für die "Knollenprediger", Filme und Hörstationen machen den Alltag rund um die Kartoffel im 18. Jahrhundert lebendig. Außerdem versprechen historische Kartoffel-Rezepte dem Besucher auch praktische kulinarische Anregungen.


Führungen und Veranstaltungen werden die Ausstellung begleiten
[Download PDF (10.5KB)]

Flyer zur Ausstellung [Download PDF (879KB)]


König & Kartoffel, Friedrich der Große und die preußischen Tartuffoli, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung Zur Ausstellung erscheint das Begleitbuch.
König & Kartoffel Friedrich der Große und die preußischen "Tartuffoli"
Antonia Humm, Marina Heilmeyer und Kurt Winkler (Hg.)
Verlag für Berlin-Brandenburg 2012
184 Seiten, 170 Abbildungen, Format: 21,5 x 26,5 cm
Buchhandelsausgabe (Hardcover, ISBN 978-3-42476-30-0): 29,95 Euro
Museumsausgabe (Broschur, ISBN 978-3-42476-31-7): 22,50 Euro

www.verlagberlinbrandenburg.de

Tipp: Buchvorstellung mit den Herausgebern und dem Verleger
Mi, 8. August, 19 Uhr


Öffentliche Kuratorenführungen
Sa, 25.08. und Sa, 20.10.2012, jeweils 15 Uhr
mit Marina Heilmeyer
Beitrag: 5 Euro
Anmeldung beim Besucherservice, Tel: 0331/620 85-50

Führungen für Gruppen
Zusätzlich zu den öffentlichen Führungen sind – nach Voranmeldung – auch Gruppenführungen möglich.
Dauer: ca. 1 Stunde
Kosten: Gruppen (max. 20 Pers.) 45 Euro + 3,50 Euro erm. Ticket/pro Person
Schulklassen (max. 20 Pers.) 60 Euro pauschal
Anmeldung beim Führungsbüro, Telefon: 0331/ 620 85-55/-50
E-Mail: fuehrungsbuero@hbpg.de

Für Familien mit Kindern...
... liegt am Eingang zur Ausstellung ein Ratespiel bereit, das unsere jüngsten Besucher auf ihrem Rundgang begleitet. Kartoffeln weisen den Weg zu ausgewählten Ausstellungsobjekten und zur Lösung des Rätsels. Bequeme Kartoffelsäcke laden die Kinder zum Verweilen und Malen ein. Außerdem können sie aus den vielen Bezeichnungen für Kartoffeln ihren Lieblingsnamen herausfinden.

Für Schulklassen (Primar- und Sekundarstufe)
Die Kartoffel kennt jedes Kind, aber wer kennt ihre aufregende Geschichte?
Warum beschäftigte sich ein König mit der Knolle, obwohl er sie wahrscheinlich nicht mal selbst gegessen hat? Legenden, Mythen und Wahrheiten werden anhand spannender originaler Objekte erzählt. Schulklassen können eine altersgerechte Führung erhalten und danach anhand von Arbeitsblättern noch einige Aufgaben lösen.
Die Arbeitsblätter liegen als pdf zum Download unter Museumspädagogik bereit.


Ausstellungskuratorinnen
Marina Heilmeyer
ist Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin-Dahlem. Ihre Leidenschaft gehört seit gut 20 Jahren der Geschichte jener Pflanzen, die – bewegt von Wind und Wasser, Mensch und Tier – um den Globus gewandert sind und weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat neue Wirkungsstätten gefunden haben. Forschungsthemen waren bisher Zitrusfrüchte auf ihrer Wanderung von Ost nach West; Melone, Kürbis und Kolumbus; Blumeneinfuhr und Symbolik im Ägypten der Pharaonen; Kräuterwissen in der Antike; Schönes und Nützliches in Brandenburgs Kloster-, Schloss- und Küchengärten. Marina Heilmeyer hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht und Ausstellungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien kuratiert.

Dr. Antonia Humm
ist Historikerin, Ausstellungskuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für Museen und Ausstellungsagenturen. Sie hat sich bisher vor allem mit Agrargeschichte sowie sozial- und alltagsgeschichtlichen Themen beschäftigt. Für die ständige Brandenburg-Preußen-Ausstellung des HBPG hat sie 2010/11 den neuen zeitgeschichtlichen Bereich "Alltag und Diktatur in der DDR" kuratiert. Für die Ausstellung "König und Kartoffel" erforscht sie den historischen Kontext und die geschichtlichen Grundlagen der Anordnungen Friedrichs II. zum Kartoffelanbau.



Wann und wie entstand der Name "Kartoffel"

Pizzarro, der Eroberer von Peru lernte vermutlich 1526 als erster Europäer Kartoffeln kennen, als er an der pazifischen Küste entlang segelte und Peru erreichte. 1535 drang Diego de Almagro von Peru nach Chile vor und sah hier ausgedehnte Kartoffelfelder. 1537 beschreibt Petro de Cieza de Leon die Kartoffeln und überliefert deren einheimischen Namen "Papas". Schon1570 sind Kulturen dieser Papas in Sevilla/Spanien überliefert. 1570 soll König Philipp II dem magenkranken Papst Pius V. einige Kartoffeln als Stärkemittel und Kostbarkeit geschickt haben. In Rom sollen diese neuen Früchte mit den bekannten Trüffeln verglichen worden sein und daher den Namen "Tartuffoli" (abgeleitet vom italienischen tartuffo für Trüffel) erhalten haben.
Von 1585 an werden die Kartoffeln in Europa als Tartuffoli, Tartoufli, Taratouffli, Tarathopholi, Tartoufles, Tartüffel oder Tartufflen bezeichnet. 1600 taucht in Frankreich die Variation Cartoufle auf, die dann teilweise auch in Deutschland bis Anfang des 18. Jh. gebraucht wird. Ab 1720 häufen sich die Erwähnungen des Namens Kartoffel.
Friedrich II. aber spricht in seinen 'Circularen' zum Kartoffelanbau noch von Cartuffeln und Tartufflen.


Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9
14467 Potsdam

Öffnungszeiten
Di bis Do 10–17 Uhr
Fr 10–19 Uhr
Sa/So und feiertags 10–18 Uhr
Mo geschlossen

Eintritt
Einzelticket 5 €/erm. 3,50 €
freitags 3,50 €
bis 18 Jahre frei

Informationen/Führungen/Anmeldung
Tel.: 0331/ 62085-50/ -55
E-Mail: info@hbpg.de


Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam, die Stiftung Preußische Seehandlung, den Verein "Freunde des HBPG" und die BIRKAMIDON GmbH.

Kulturland Brandenburg MMXII wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen. Mit freundlicher Unterstützung der Investitionsbank des Landes Brandenburg.

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