SIBYLLE
Modefotografie und Frauenbilder in der DDR

Eine Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2010 „Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg-Preußen“

13.05.2010 - 22.08.2010


Die Zeitschrift SIBYLLE gehörte in der DDR wegen ihrer einzigartigen Mode- und Fotobeiträge zu den beliebtesten und begehrtesten Publikationen. Sie erschien zwischen 1956 und 1989 alle zwei Monate in einer Auflage von etwa 200.000 Exemplaren, die immer sofort vergriffen war. Der Versuch, die Zeitschrift nach 1990 auf dem gesamtdeutschen Markt zu erhalten, scheiterte.1995 kam das endgültige Aus.

Der Erfolg der SIBYLLE lag in ihrem besonderen Konzept - Mode, Fotografie und Kultur zu verbinden. Der Modeteil mit seinen anspruchsvollen Fotografien war Inspirationsquelle, bot Informationen über neueste Trends in Ost und auch West sowie Schnittmusterbögen und Nähanleitungen. Der Kulturteil setzte auf Themenvielfalt, brachte Beiträge über Kunst, Literatur, Theater, Architektur und Design, ausführliche Porträts prominenter wie unbekannter Frauen, aber auch Kosmetik- und Gesundheitstipps, Ratgeber in Rechtsfragen und Kochrezepte.

Die SIBYLLE hatte den Anspruch, alltagstaugliche Mode zu präsentieren und ein modernes Frauenbild zu vermitteln. „Die berufstätige, selbstbewusste, emanzipierte Frau wollte man zeigen, sich von alten Klischees trennen. Mode ins Verhältnis setzen zu den gesellschaftlichen Idealen.“, so Dorothea Melis, Moderedakteurin der SIBYLLE 1961 bis 1970. Bekannte Fotografen und Fotografinnen wie Arno Fischer, Sibylle Bergemann, Ute Mahler und Werner Mahler, Roger Melis und Günter Rössler fanden dafür eine ganz individuelle Bildsprache, in der sich Mode- und Porträtfotografie verbanden. „Wir haben nicht nur Mode fotografiert, wir haben Bilder gemacht, die uns wichtig waren“, so die Fotografin Ute Mahler.

Titel der SIBYLLE 6/1983
mit einem Foto von Ute Mahler
Diese subjektive Haltung prägte über Jahrzehnte die Bildästhetik und damit den besonderen Charakter der SIBYLLE. Redakteure und Fotografen fanden hier eine vergleichsweise große künstlerische Freiheit. Wie alle Massenmedien in der DDR stand aber auch die SIBYLLE unter ständiger politischer Kontrolle. Formal unterstand sie der Frauenkommission des ZK der SED, die im Sinne des ideologischen Leitbildes der „Frau im Sozialismus“ auf die Inhalte aller Hefte Einfluss nahm und eine entsprechende Vorzensur übte. Außerdem musste die Chefredaktion einmal wöchentlich zur politischen Weisung in der Abteilung Agitation des ZK der SED erscheinen, die mit so genannten Empfehlungen, Kritik und auch Themenverboten sämtliche Veröffentlichungen der DDR bestimmte.

Die Ausstellung gibt Einblicke in die Mode-Fotostrecken und in den redaktionellen Kulturteil der SIBYLLE, den sie zum Ausgangspunkt einer kritischen Reflexion von Frauenleitbildern und Frauenalltag in der DDR nimmt.

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Fotoserien und kombiniert sie mit Aussagen von Redakteurinnen, Mannequins und Fotografen. Sie vermitteln Einblicke in die Arbeitsweise und -bedingungen bei der Moderedaktion der SIBYLLE. Sie berichten von Zensur und künstlerischer Freiheit, von Mangelwirtschaft und Improvisationstalent, von Gleichberechtigung und SED-Frauenpolitik, von Berufstätigkeit und Familienleben. Bekleidungsstücke des Modeinstituts der DDR und des VHB Exquisit, Filmausschnitte von Modesendungen der DDR und ein Exkurs über die Bildsprache und ästhetischen Besonderheiten der Fotografien ergänzen das Thema Mode als Hauptarbeitsfeld der SIBYLLE.

Zu hören bzw. zu lesen sind Interviews mit damaligen Leserinnen der SIBYLLE. Die Berichte der Frauen und Leserbriefe vermitteln einen Einblick in die Rezeption der Zeitschrift und in den DDR-Alltag. Auch Ausschnitte von Sendungen des DDR-Fernsehens, statistische Daten und Hintergrundinformationen verdeutlichen das Frauenbild und die Frauenrealität in der DDR.

Logo: DRADie Schau entsteht in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv sowie mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, der Fachhochschule Potsdam/ Fachbereich Informationswissenschaften, dem Filmmuseum Potsdam und der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Ausstellungskuratorinnen sind Claudia Rücker und Andrea Szatmary aus Berlin.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Öffentliche Führungen mit den Kuratorinnen:
So, 13.06.2010, 15 Uhr | So, 18.07.2010, 15 Uhr | So, 15.08.2010, 15 Uhr
Beitrag: jeweils 6 Euro
Informationen und Anmeldung beim Besucherservice
Telefon: 0331/ 620 85-50

Zusätzlich zu den öffentlichen Führungen bieten wir – nach Voranmeldung – auch Gruppenführungen an.
Bitte wenden Sie sich mit Ihren Wünschen an unser Führungsbüro.
Telefon: 0331/ 620 85-55/-50
Fax: 0331/ 620 85-59
E-Mail: fuehrungsbuero@hbpg.de

Begleitend zur Ausstellung erscheint am 12. Mai das Buch
Sibylle. Modefotografien 1962–1994
Herausgegeben von Dorothea Melis.
Leipzig: Lehmstedt Verlag, 2010 (Bilder und Zeiten, hrsg. von Mathias Bertram, Band 12),
176 Seiten mit 160 ganzseitigen Duotone-Abbildungen, 24 x 27 cm, Festeinband, Fadenheftung,
ISBN 978-3-937146-87-4
Preis: 24,90 Euro

Zum Inhalt: Nirgendwo sonst in der DDR trat das Leitbild natürlicher, selbstbewusster und emanzipierter Frauen so eindrucksvoll in Erscheinung wie in den Fotografien der legendären Mode- und Kulturzeitschrift „Sibylle“. Der chronologisch geordnete Band versammelt die schönsten und charakteristischsten Mode- und Porträtaufnahmen, die im Laufe von 30 Jahren für die von den Leserinnen geliebte Zeitschrift und in ihrem Umfeld entstanden. Er zeigt, wie die international beeinflusste, aber stets auf Eigenständigkeit bedachte DDR-Modefotografie Anfang der sechziger Jahre entstand und sich ungeachtet ihrer informativen Funktionen immer wieder als ein Medium behauptete, das die Ideale, Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Existenz im realen Sozialismus reflektierte. Der Band enthält Fotografien von Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Steffi Graenitz, Karol Kállay, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Peter Meißner, Roger Melis, Günter Rössler, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt und Michael Weidt.

Die Herausgeberin Dorothea Melis (geb. 1938), Modegestalterin und Publizistin, leitete von 1961 bis 1970 die Modeabteilung der Zeitschrift „Sibylle“. Von 1970 bis 1990 war sie verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei „Exquisit“, dem größten Modehandelsunternehmen der DDR.

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Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte,
Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam


Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, Samstag/Sonntag und an Feiertagen 10-18 Uhr
Montag geschlossen, Pfingstmontag 10-18 Uhr


Eintrittspreise
Einzelticket 5 Euro/erm. 3,50 Euro, freitags 3,50 Euro
Sonderpreise für Gruppen, Familien und Schulklassen, Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt


Informationen
Tel: 0331/62085-50
E-Mail: info@hbpg.de

Download: Flyer

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung

So, 16.05.2010, 15 Uhr
zum Internationalen Museumstag
Buchpräsentation und Gespräch
Sibylle. Modefotografien 1962–1994
Dr. Mark Lehmstedt, Verleger, im Gespräch mit Dorothea Melis
beitragsfrei

Mi, 02.06.2010, 19 Uhr
Podiumsdiskussion
Abbild oder Illusion?
Beitrag: 3 Euro
Die Ausstellung ist bis 19 Uhr geöffnet.

So, 13.06., 15 Uhr
Ausstellungsführung mit den Kuratorinnen der Ausstellung
SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR
Beitrag: 6 Euro

Mi, 23.06.2010, 19 Uhr
Vortrag
Freizeit statt Freiheit. Jeansmode in der SIBYLLE
mit Prof. Katharina Tietze, Zürcher Hochschule der Künste
Beitrag: 3 Euro
Die Ausstellung ist bis 19 Uhr geöffnet.

Mi, 07.07.2010, 19 Uhr
Podiumsgespräch
Die Zeitschrift SIBYLLE – Möglichkeiten und Grenzen einer sozialistischen
Frauenzeitschrift mit internationalem Flair

Die Buchwissenschaftlerin Nina Kuhn, Literaturkontor Hamburg, im Gespräch mit Lisa Ludwig (Schädlich), Moderedakteurin der SIBYLLE von 1965 bis 1995.
Beitrag: 3 Euro
Die Ausstellung ist bis 19 Uhr geöffnet.

So, 18.07., 15 Uhr
Ausstellungsführung mit den Kuratorinnen der Ausstellung
SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR
Beitrag: 6 Euro

Mi, 21.07.2010, 19 Uhr
Gespräch
Gute Nacht ihr Schönen – Das Frauenbild in Bildern von Frauen
RBB-Moderatorin Gisela Zimmer im Gespräch mit Angela Fensch, Fotomodel, Mannequin und Fotografin der Zeitschrift SIBYLLE
Beitrag: 3 Euro
Die Ausstellung ist bis 19 Uhr geöffnet.

So, 15.08., 15 Uhr
Ausstellungsführung mit den Kuratorinnen der Ausstellung
SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR
Beitrag: 6 Euro

So, 22.08.2010, 11 Uhr
Filmmatinee im Filmmuseum Potsdam
Träume nicht Sibylle
R: Julie Schrader, D 2001, Dok., 58’
Beitrag: 5 Euro/ erm. 4 Euro
Info-Telefon Filmmuseum Potsdam: 0331/ 271 81-12
Besucher der Filmmatinee haben bei Vorlage der Eintrittskarte ermäßigten Eintritt in die Ausstellung SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR.

Mehr Informationen zu den Einzelterminen im Kalender

Download: Das Begleitprogramm als PDF
 
 
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