Valeska Gert
Ein bewegtes Leben in Tanz, Film und Kabarett

Eine Ausstellung des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Kooperation mit dem HBPG
im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2011
LICHT | SPIEL | HAUS – moderne in film. kunst. baukultur.

20.04.2011 - 13.06.2011


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Valeska Gert (1892–1978) zählt neben Mary Wigman zu den wichtigsten Vertreterinnen des avantgardistischen Tanzes in den 1920er-Jahren. Darüber hinaus war sie ein gefragter Stummfilmstar und später auch Darstellerin unter der Regie von Filmgrößen wie Federico Fellini, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff.

Als Tochter einer jüdischen Familie und von den Nazis mit ihrer Kunst als „entartet“ diffamiert, verließ sie 1933 Deutschland. Sie emigrierte zunächst nach England, dann in die USA, wo sie jedoch nicht an ihre Erfolge anknüpfen konnte. 1947 kehrte sie nach Europa zurück und eröffnete zunächst in Zürich, anschließend in Berlin ein Kabarett, in dem sie dem jungen Klaus Kinski ein Forum bot. Sie selbst schlüpfte u.a. in die Rolle der KZ-Kommandeuse Ilse Koch, jene für ihre Grausamkeit bekannte und 1949 verurteilte Frau des Lagerkommandanten des KZ Buchenwald. 1951 eröffnete sie den bis heute legendären "Ziegenstall" auf Sylt, ein Nachtlokal, in dem die Kellner (u.a. Klaus Kinski) nicht allein für das leibliche Wohl, sondern auch für eine amüsant-geistreiche Unterhaltung der Gäste sorgten. In den 1960er-Jahren stand sie dann wieder vor der Kamera und spielte u. a. in Fassbinders Serie "Acht Stunden sind kein Tag" oder Schlöndorffs "Fangschuß".

Ihre gelebte Verbindung von Tanz, Schauspiel, Gesang und Kostüm beeinflusste nicht allein unzählige ihrer Zeitgenossen, sondern lebt auch nach ihrem Tod fort. Die Ausstellung zeigt die Strahlkraft von Valeska Gert in Fotografien u.a. von Suse Byk, Lotte Jacobi, Willy Maywald, Ulrike Ottinger und Herbert Tobias sowie in Collagen, Grafiken, Porträts und Skulpturen von Clemens Bautz-Zukanovic, Charlotte Berend, Christian Hinrich Claussen, László Moholy-Nagy, Wolfgang Müller, Birgit Rautenberg-Sturm und anderen sowie in Schrift- und zum Teil erstmals hörbaren Tondokumenten.

Die Schau ist Teil der Veranstaltungsreihe
"Ich will leben, auch wenn ich tot bin."
Filmbeiträge, Lesungen und Vorträge geben einen Einblick in Leben und Werk der extravaganten Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin, die Kurt Tucholsky einst als "dolle Nummer" beschrieb.

Kuratorinnen: Franziska Buhre und Dr. Elke-Vera Kotowski


Öffentliche Führungen mit der Kuratorin Dr. Elke-Vera Kotowski
Mo, 25.04. , 15 Uhr, Beitrag: 5 Euro
und So, 15.05., 15 Uhr, beitragsfrei (internationaler Museumstag)
Informationen und Anmeldung beim Besucherservice
Tel: 0331/620 85-50


Gruppenführungen
Zusätzlich zu den öffentlichen Führungen sind – nach Voranmeldung – auch Gruppenführungen möglich.
Informationen und Anmeldungen beim Führungsbüro
Telefon: 0331/ 620 85-55/-50, Fax: 0331/ 620 85-59
E-Mail: fuehrungsbuero@hbpg.de


Download Flyer (PDF, 1,32MB)


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Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam


Öffnungszeiten
Di bis Do 10–17 Uhr
Fr 10–19 Uhr
Sa/So und an Feiertagen 10–18 Uhr,
Mo geschlossen


Eintrittspreise
Einzelticket: 5 Euro/erm. 3,50 Euro (Kombiticket mit Ausstellung Aufbruch in die Moderne)
freitags 3,50 Euro

Sonderpreise für Gruppen, Familien und Schulklassen,
Einzelbesucher bis 18 Jahre freier Eintritt


Informationen
Tel: 0331/62085-50, E-Mail: info@hbpg.de





Begleitprogramm

Fr, 06.05., 18 Uhr
Film im Filmmuseum Potsdam
Nur zum Spaß – nur zum Spiel. Kaleidoskop Valeska Gert
R: Volker Schlöndorff, BRD 1977, Dok., 60’
Einführung: Volker Schlöndorff (angefragt)
Valeska Gert war in den 1920er-Jahren in Berlin, Moskau und Paris berühmt für ihre Auftritte als "Grotesk-Tänzerin". Auch das Kino entdeckt sie als Schauspielerin. Umgekehrt entdeckt Valeska Gert auch den Film als ästhetisches Stilmittel für ihre eigenen Performances; ihrer Zeit weit voraus, überträgt sie Elemente wie Zeitraffer, Zeitlupe und Filmschnitt auf den Tanz. 1933 von den Nazis als "entartet" diffamiert, verlässt sie Deutschland bis 1947 und hat keine nennenswerte Filmrollen, bis sie 1965 von Federico Fellini und später vom Jungen Deutschen Film wiederentdeckt wird. Volker Schlöndorff besetzt "Der Fangschuß" mit ihr und porträtiert sie kurz vor ihrem Tod in diesem Dokumentarfilm auf Sylt, wo Valeska Gert seit 1951 ein Nachtlokal unterhielt.
Ort: Filmmuseum Potsdam, Marstall am Lustgarten, 14467 Potsdam
Eintritt: 5 Euro/erm. 4 Euro
ermäßigter Kino-Eintritt bei Vorlage des Ausstellungstickets
Info-Telefon: 0331/271 81-12

Fr, 06.05., 20 Uhr
Film im Filmmuseum Potsdam
Die Dreigroschenoper
R: Georg Wilhelm Pabst, D: Rudolf Forster, Carola Neher, Valeska Gert, D 1931, 112’
Bereits zwei Jahre nach Uraufführung des Bühnenstücks inszeniert G. W. Pabst die erste Filmversion von Bertolt Brechts Gangsterballade um den Londoner Gangsterchef Mackie Messer und den Bettlerkönig Peachum. Obgleich Brecht versuchte, die Aufführung des Films gerichtlich zu verhindern – das Filmstudio wollte seine Änderungswünsche nicht berücksichtigen – besticht die Adaption durch seine hervorragende Besetzung und den Einsatz fast aller Kurt-Weill-Songs. Mit ihrem Auftritt als Mrs. Peachum erlangte die Tänzerin und Avantgardekünstlerin Valeska Gert auch als Kinodarstellerin größere Bekanntheit.
Ort: Filmmuseum Potsdam, Marstall am Lustgarten, 14467 Potsdam
Eintritt: 5 Euro/erm. 4 Euro
ermäßigter Kino-Eintritt bei Vorlage des Ausstellungstickets
Info-Telefon: 0331/271 81-12

Fr, 20.05., 19 Uhr
Podiumsdiskussion
Das Faszinosum Valeska Gert
Podiumsgäste: Senta Berger, Christina von Braun, Ulrike Ottinger (alle angefragt)
Beitrag: 3 Euro
Info-Tel.: 0331/62085-50

Fr, 27.05., 19 Uhr
Vortrag
Das Phänomen des Grotesken im Tanz Valeska Gerts
mit Susanne Foellmer, Institut für Theaterwissenschaften, FU Berlin
Beitrag: 3 Euro
Info-Tel.: 0331/62085-50

Fr, 10.06., 19 Uhr
Stummfilm mit Livemusik
Tagebuch einer Verlorenen
R: Georg Wilhelm Pabst, D: Josef Rovensky, Louise Brooks, Valeska Gert, D 1929, 95’
Einführung: Prof. Dr. Hinderk Emrich, Leibniz Universität Hannover
an der Welte-Kinoorgel: Peer Kleinschmidt
Die melodramatische Geschichte der Apothekerstochter Thymian. Aus der Familie vertrieben, kommt sie in eine Erziehungsanstalt und ist hier dem sadistischen Direktorenehepaar ausgeliefert. Mit einer Freundin entflieht sie dieser Hölle und verdient sich in einem Bordell ihren Unterhalt. Die Suche nach ihrem Kind, das ihr durch ihre Familie genommen wurde, und der verzweifelte Versuch, eine normale Existenz zu gründen, bestimmen von nun an ihr Leben. Valeska Gerts expressive Darstellung der despotischen, unberechenbaren Heimleiterin gehört zu den eindrücklichen Momenten des Films.
Ort: Filmmuseum Potsdam, Marstall am Lustgarten, 14467 Potsdam
Beitrag: 10 Euro/erm. 8 Euro
ermäßigter Kino-Eintritt bei Vorlage des Ausstellungstickets
Info-Telefon: 0331/271 81-12

Mo, 13.06.
Finissage
Sonderausstellung Valeska Gert. Ein bewegtes Leben zwischen Tanz, Film und Kabarett
12 Uhr
Vortrag
Der Einfluss Valeska Gerts auf das eigene Schaffen
mit Birgit Rautenberg-Sturm, freischaffende Künstlerin

13 Uhr
Vortrag
"Ich will leben, auch wenn ich tot bin" – Vergnügliche Betrachtungen eines Biographen zum Leben und Nachleben
mit Frank-Manuel Peter, Leiter des Deutschen Tanzarchivs, Köln

14 Uhr
Vortrag
Valeska Gert. Ästhetik der Präsenten
Wolfgang Müller, freischaffender Künstler, Berlin

15 Uhr
Vortrag
Zeitzeugnisse. Prägende Lehrjahre bei Valeska Gert
mit Christiane Retzlaff, ehemalige Mitarbeiterin Valeska Gerts im Ziegenstall in Kampen

16 Uhr
Lesung und Gesank
„Ich bin die Schere, ich bin scharf!“
Chansons und Texte von Valeska Gert
mit Anna Haentjens, freischaffende Künstlerin

Einzeltickets: 3 Euro, Tagesticket: 8 Euro
Info-Tel.: 0331/62085-50
 
 
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